„Zuversicht ist der Muskel, der die Klinke zu Möglichkeitsräumen herunterdrückt.“
Gedacht von Andreas Steinhübel
In diesem Denkbrief widme ich mich dem Thema Zuversicht in anspruchsvollen Zeiten. Diese erleben Sie jeden Tag und agieren in einem oftmals rezessiven Umfeld, wie es so schön heißt. Ich fasse hier zusammen, was ich in meiner Key-Note im Januar 2026 für Hapeko und Averes teilen durfte:
Zuversicht basiert auf Selbstwirksamkeitserwartung, Hoffnung, Optimismus, Resilienz, sowie einem klaren Blick auf die Herausforderungen mit einer Vorstellung von Lösungsoptionen.
Sie ist also mehr als Optimismus. Der Unterschied besteht darin, dass Optimismus eine rein positive Erwartung ist, bei der Schwierigkeiten ausgeblendet werden, während Zuversicht ein realistisches Vertrauen ist, das auch Schwierigkeiten und Gefahren anerkennt, aber dennoch die Fähigkeit zu handeln und eine positive Entwicklung zu ermöglichen, in den Vordergrund stellt. Zuversicht ist demnach eine aktivere, realistischere Form des Optimismus, die auf vergangenen Erfahrungen und innerer Stärke beruht.
Sie haben alle innere Stärken, die es gerade jetzt zu aktivieren gilt. Oftmals verfallen aber auch erfahrene Führungskräfte in Aktionismus und spicken beim Nachbarn, wie in der Schule, ohne sich auf eigene Kompetenzen zu besinnen. Verstehen Sie mich nicht falsch, sich mit dem Wettbewerb oder auch der Konkurrenz, wie ich es lieber nenne zu beschäftigen ist hochgradig funktional. Was machen andere besser? Wie machen sie das? Aber eben auch zu schauen, wo haben wir eine Lücke mit genau unseren Stärken? Dabei liegt die Stärke oftmals in den Mitarbeitenden, die in anspruchsvollen Zeiten eine Führung brauchen, die Zuversicht aktiviert, ohne heile, heile Gänschen zu spielen.
Drei wesentliche Faktoren brauchen Mitarbeitende jetzt besonders:
- Transparenz. Was liegt an und warum?
- Klarheit. Was wird erwartet? Was sollen wir tun? Und wozu?
- Soziale Belastbarkeit. Wie gehen wir miteinander um, wenn es auch mal eng wird? Und worauf kann ich mich verlassen?
Jammerspirale durchbrechen
Jammern führt zu jammern, und so wird von den eigentlichen Schwierigkeiten abgelenkt. Jammern verhindert so den Zugang zu Möglichkeitsräumen; sie bleiben verschlossen, wo es gerade jetzt so wichtig wäre in diese neuen Zugänge zu kommen.
(Quelle: Simone Kauffeld)
Menschen, die chronisch jammern, erleben körperliche Auswirkungen ihres Jammerns: Hippocampus kann geschädigt werden, der für Problemlösungen und kognitive Funktionen zuständig ist. Also gerade der Teil, den wir als Schlüssel für Möglichkeitsräume gebrauchen.
(Quelle: Prof. Robert Sapolsky, University of Stanford)
„Das erste Prinzip der Risikokompetenz lautet: Vergiss die Illusion der Gewissheit.“
(Prof. Gerd Gigerenza)
Bereits Jim Collins konnte folgende Erfolgskriterien als Handreichungen extrahieren:
1. Konsequente Veränderung bei hoher Stabilität:
Erfolgreiche Unternehmen fokussierten sich auf ihre Ziele und strategische Initiativen und initiierten weniger Veränderungsinitiativen als ihre Wettbewerber. Diese Veränderungen wurden dafür wohl überlegt geplant, kommuniziert und konsequent durchgezogen.
Mein Tipp: Zählen Sie mal Ihre Veränderungsprojekte. Wo steht was? Wer hat noch einen Überblick? Worauf zahlen alle konsequent ein?
2. Angepasste Entscheidungsgeschwindigkeit:
Erfolgreiche Unternehmen haben klug überlegt, bei welcher Art von Entscheidungen Geschwindigkeit und „Fail forward“ angezeigt sein kann. Gleichzeitig haben sie definiert, wann wir uns ausreichend Zeit und Ruhe (vermutlich ein Fremdwort in Krisen) nehmen, um Zusammenhänge zu durchdenken und multiperspektivisch zu betrachten.
Mein Tipp: Üben Sie sich und Ihre Teams in Speed und Reflexion. Wichtig: Kreiseln ist oftmals ein Zeichen von Unsicherheit. Meine Daumenregel lautet, wenn ein Thema mehr als 3 x in Gremien diskutiert wird ohne neue Rahmenbedingungen wird unnötig Angstgekreiselt. Stopp it. Decide now.
3. Sowohl-als-auch-Denken trainieren:
Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich durch höhere Ambiguitätstoleranz aus. Wir können eben für Frieden sein und gleichzeitig Waffeneinsatz befürworten. Wir können für wirtschaftlichen Erfolg stehen und für menschliche Werte. Der menschliche Geist wünscht sich in anspruchsvollen Situationen Einfachheit (ich nenne es die „Wummsdibumms-Falle“). Deshalb haben leicht verdauliche Botschaften in Krisen Hochkonjunktur.
Mein Tipp: Üben Sie sich und Ihre Teams in Aushalten von scheinbaren Widersprüchen. Lassen Sie andere Meinungen zu. Nutzen Sie dies für kreative Lösungen. Wie können wir Kunden begeistern und trotzdem unseren Service verschlanken?
In diesem Sinne wünsche ich allen eine angemessene Zuversicht, die Sie selbst und Ihr Unternehmen in die Zukunft trägt.